Kampf auf Schlammpiste und durch hohen Schotter


Thorsten Brönners Radtour in Kanada und Alaska (3)

Lohr. Sieben Wochen durchquert Thorsten Brönner aus Wombach mit dem Rad den Westen Kanadas und Alaska. Sein zweiter Reisebericht schildert die Fahrt auf dem Alaska Highway nach Norden:

7. Tag: Museum statt Rad fahren

Heute, an meinem ersten Ruhetag, schaue ich mir ein Museum an, welches über den Bau des Alaska Highway (2288 Kilometer) informiert.

8. Tag: Adressen ausgetauscht

Am nächsten Morgen starte ich bei Sonnenschein auf dem Alcan. Mir kommt ein Radfahrer entgegen der nach großer Reise aussieht. Es ist ein junger Japaner der in Anchorache in Alaska gestartet ist und bis nach Südamerika fahren möchte. Er hat eineinhalb Jahre für diese Radtour geplant. Von ihm bekomme ich einige Infos, und er erzählt mir, dass ich der erste Radfahrer bin, der ihm auf seiner Reise begegnet ist. Wir tauschen Adressen aus. Bis zu der Stadt Fort St. John durchradele ich noch Präriegelände. Nun sind es 374 Kilometer bis nach Fort Nelson, der nächsten Stadt. Die Straße ist gut ausgebaut und hat große Seitenstreifen, die sich perfekt als Radweg eignen.

9. Tag: Elche

Am nächsten Morgen, kaum bin ich ein paar Kilometer gefahren, sehe ich den ersten Elch. Er befindet sich am Waldrand zirka 100 Meter von mir entfernt. Wenige Kilometer weiter entdecke ich eine Elchkuh mit einem winzigen Kalb, das kaum stehen kann. Dieses Mal trennen uns nur 30 Meter. Jede meiner Bewegungen wird genauestens verfolgt. Als die Elchkuh mir deutliche droht, ist mir klar, dass es Zeit ist weiter zu fahren. Auf den nächsten Kilometern beobachte ich Elche. Bei der Weiterfahrt winkt mir ein Rentnerehepaar zu, dass ich zu ihrem Camper kommen soll. Sie kommen aus Hamburg. Sie haben mich schon dreimal auf dem Highway überholt und laden mich zu Tee und einem Imbiss ein. Das Radfahren macht Spaß. Ich habe schönes Wetter und Rückenwind, der mich nach Fort Nelson hinein bläst. Wie schon die ganze Zeit auf dem Highway winken mir irgendwelche Leute freundlich zu, oder zeigen mit dem Daumen nach oben. Auch auf dem Campingplatz ist es, wie jeden Abend, das gleiche Spiel. Woher ich komme, wohin ich reise und wie viele Kilometer ich gefahren bin. Oft werden die Infos den ganzen Abend weitergegeben. So werden aus meinen Tageskilometern schnell Meilen.

10. Tag: Füttern verboten

Die nächste Etappe führt mich über den einzigen Pass des Highways, den 1267Meter hohen Sunmit-Pass. Es geht durch den Gebirgszug der Nord Rocky Mountains, die eine Höhe von bis zu 3000 Metern erreichen. Keine zehn Meter neben mir läuft ein Schwarzbär die Böschung entlang. Es ist ein recht kleiner Kurz danach kommt eine Auto mit Japanern vorbei, sie machen ihre Fotos und werfen dem Bären etwas zu fressen hin. Das Füttern von Wildtieren, vor allen von Bären, ist strengstens verboten. Die Tiere gewöhnen sich daran, dass sie von Menschen Futter bekommen und können so bei der nächsten Begegnung zu einer Bedrohung werden. Während ich mich dem Pass nähere, wird der Himmel bedrohlich dunkel. Es fängt an zu donnern. Darauf folgt ein kurzer Schauer. Kurz vor der Passhöhe fängt es doch wieder an zu regnen. Dieses Mal richtig stark. Sofort fällt die Temperatur um einige Grade. So schnell wie möglich stürze ich mich in die Abfahrt. Nachdem ich rund zwei Stunden im Regen gefahren bin, erreiche ich einen Campingplatz und die herbeigesehnte Dusche.

11. Tag: Gemischte Gefühle

Auf dem Campingplatz befinden sich noch andere Radfahrer. Dan und Claire, die neben mir ihr Zelt aufgeschlagen haben, wollen von Vancouver hoch nach Valdez fahren. Ein Junge aus Fairbanks in Alaska zieht es Richtung Süden nach Montana in die Staaten. Dan erzählt mir, dass heute Morgen direkt neben meinem Zelt ein Elch herum gelaufen sei. Tatsächlich entdecke ich ihn im See nebenan Wasserpflanzen abweiden. Auf den ersten Kilometern des Tages sehe ich das erste Karibu an der Straße. Ich fahre am jadegrünen Mucho Lake entlang und erreiche den mächtigen Liard River der hier schon gut 200 Meter breit ist. Keine fünf Meter neben der Straße steht auf einmal ein mächtiger Bisonbulle. Ich bekomme Herzklopfen. Fotos mache ich lieber aus sicherer Entfernung. Der Campingplatz, den ich später erreiche, ist nicht gerade erste Wahl. Ich bin mir sicher, dass ich in diesem Jahr der erste bin, der die Dusche benutzt. Mit gemischten Gefühlen lege ich mich schlafen: Keine drei Kilometer entfernt habe ich einen Schwarzbären gesehen.

12. Tag: Jede Menge Bären

Der nächste Tag beginnt wieder mit Sonnenschein. Ich erblicke eine große Grizzlydame mit ihren zwei kleinen Jungen. Von Norden sehe ich einen Radfahrer heran fahren. Er kommt aus Alaska und will bis Herbst an die Ostküste Kanadas radeln. Langsam kommen die Bären wieder aus dem Wald. Verspielt tollen die zwei Kleinen den Hang rauf und runter. Sie fressen friedlich Gras wie eine Kuh. Als nächstes erreiche ich das Yukon Territorium und die Stadt Watson Lake. Hier befindet sich der weltberühmte »Signpost Forrest«. Über 40000 Schilder aus aller Welt vom Autokennzeichen bis zu Ortsschildern wurden hier von Reisenden auf dem Alaska Highway zurückgelassen. Als ich das Visitor Center verlasse, gießt es in Strömen, aber es sind nur vier Kilometer bis zum Campingplatz, hat man mir versichert. Die sind schnell abgespult. Ich erreiche einen Weg der in den Wald führt und hoffentlich zu meinem Platz. Es ist eine einzige Schlammpiste, und dass es von hier noch mal fünf Kilometer bis zum Schlafplatz sind, davon war nicht die Rede.

13. Tag: Stürmischer Wind

Als ich am nächsten Morgen aus dem Zelt krieche, herrscht wieder Sonnenschein. Die heutige Etappe führt nach Westen durch die rund 2000 Meter hohen Cassiar Mountains. Aber nicht die Steigungen sind mein Problem, sondern der stürmische Wind. Nur mit eisernem Willen kann ich die Etappe bewältigen. Am Abend erreiche ich einen traumhaft schönen Campingplatz am Swan Lake. Als das Wasser für mein Abendessen über dem Feuer kocht ist der miese Wind des Tages vergessen.

14. Tag: Stau

Am Morgen ist wieder kein Wölkchen am Himmel. Kurz vor dem Teslin Lake erreiche ich einen kleinen Stau. Mir wird gesagt, dass es kein Durchkommen gibt, und wir alle 45 Minuten warten müssen. Endlich kommt das Pilot Car, und wir laden mein Fahrrad auf. In Teslin wird gerade der Alcan neu geteert. Nach zirka einem Kilometer soll ich mein Fahrrad wieder abladen. Die nächsten zehn Kilometer der Straße sind der reinste Horror. Hoher Schotter macht mir mit dem schwer beladenen Tourenrad das Leben schwer. Ich habe zu kämpfen, damit ich nicht stürze. Endlich ist die Stelle überwunden. Ich radele nun an den großen Seen Teslin Lake und Marsh Lake entlang. Die Landschaft im Yukon Territorium erinnert mich an die Fjorde Norwegens. Dann rolle ich in Whitehorse, der Hauptstadt des Yukons ein, wo ich nach nun 2500 Kilometern meinen nächsten Ruhetag verbringen werde.




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