Wegen eines Apfels mit Blaulicht von Polizei verfolgt
Thorsten Brönners Erlebnisse bei der Radtour in Kanada und Alaska (4)
Lohr. Fast die Hälfte seiner Tour durch kanada und Alaska hat Thorsten Brönner aus Wombach schon hinter sich. Mittlerweile hat er mit seinem Fahrrad Alaska erreicht:
15. Tag: Campingbekanntschaften
In Whitehorse der Hauptstadt des Yukon Territoriums leben 20000 Einwohner. Das sind zwei Drittel der Bevölkerung des Territoriums. Ich schaue mir das Yukon Beringia Museum an, das über die Lebensweise der Menschen in der Eiszeit informiert. Vor zehn Tagen habe ich auf einem Campingplatz einen netten Mann kennen gelernt, der aus Whitehorse stammt. Er hat mich zu sich nach Hause eingeladen. Dummerweise habe ich den Zettel mit seiner Telefonnummer verloren. Doch wen treffe ich vor dem Supermarkt? Seine Frau. Auf dem Campingplatz in Whitehorse lerne ich zwei deutsche Touristen kennen, die, jeder für sich, mit dem Kajak den Yukon River bis nach Alaska runter fahren wollen.
16. Tag: Vom Sheriff verwarnt
Gut ausgeruht geht es am nächsten Morgen auf dem Klondike Highway weiter. Wenige Kilometer außerhalb der Stadt mache ich Bekanntschaft mit einem Sheriff. Nachdem ich einen Apfelrest in den Straßengraben geworfen hatte, überholt mich ein Polizeiauto mit Blaulicht. Der Sheriff steigt aus. Ich mache ihm klar, dass es nur ein Stück Apfel war, aber er bleibt stur. Ich gebe mich reumütig und suche den Apfel. Er sieht ein, dass es keinen Sinn hat und ermahnt mich nur. Auf das Wegwerfen von Müll ist hier eine Strafe von 500 Dollar angesetzt, aber ein Stück Apfel? ich weiß ja nicht. Am Abend baue ich mein Zelt in der Indianersiedlung Carmacks am Yukon River auf.
17. Tag: Die schlimmsten Raubtiere
Beim Zusammenpacken kann ich einen wunderschönen Sonnenaufgang am Fluss betrachten. Hier bekomme ich es mit den schlimmsten Raubtieren des Nordens zu tun: mit den Moskitos. Nach wenigen Kilometern komme ich an den berüchtigten Five Finger Rapids vorüber, wo Felsinseln den Yukon River in fünf enge Kanäle zwängen. Am Mittag brennt die Sonne gnadenlos. Die Temperaturen steigen auf 25 Grad. Am Abend auf dem Campingplatz frage ich, ob diese Hitze normal sei und bekomme die Antwort: »Was ist schon normal hier?«
18. Tag: Problem gelöst
Auch am dritten Tag auf dem Klondike Highway radle ich durch die eindrucksvolle Yukonlandschaft. Kurz vor Dawson City habe ich den Klondike River erreicht. Ich fahre an der Kreuzung zum Dempster Highway vorbei, der über 730 Kilometer fast bis hoch an die Beaufort See und damit an den Arktischen Ozean führt. Er ist die einzige Straße in Kanada, die über den Polarkreis hinaus führt. Dann ist Dawson City erreicht. Im August des Jahres 1896 wurde am Bonanza Creek, einem Seitenbach des Klondike Rivers hochreines Gold gefunden. Es dauerte fast ein Jahr, bis die Nachricht vom größten Goldfund aller Zeiten San Francisco erreichte. Nach eine Fährfahrt über den zu einem mächtigen Strom angeschwollenen Yukon River finde ich direkt am Fluss einen schönen Campingplatz.
19. Tag: Kette gerissen
Zeitig starte ich heute auf dem Top of the World Highway. Gleich von Beginn an steigt die Straße steil an und windet sich von einem Bergrücken zum anderen. Von der Straße aus habe ich eine super Fernsicht. Die Landschaft, die ich zu Gesicht bekomme, scheint seit Urzeiten unverändert. Rund 50 Kilometer bis zur Grenze sind geschottert. Als ich an einem Steilstück kräftig in die Pedale treten muss, reißt mir auch noch die Fahrradkette. Zum Glück habe ich Ersatzteile dabei. Als ich am höchsten Punkt angelangt bin, bekomme ich es mit stürmischem Seitenwind zu tun, der mich fast samt dem schwer beladenen Fahrrad umwirft. Endlich ist es so weit, ich habe die Grenze zu Alaska erreicht. Schon seit Tagen fiebere ich diesem Moment entgegen. Hier findet man eine der wenigen Landschaften, die der Mensch noch nicht verändert hat und die von einer artenreichen Tierwelt bevölkert ist. Alaskas Wildnis hat drei Millionen Seen, 100000 Gletscher und 3000 Flüsse zu bieten. Also nichts wie hineinfahren. Nach den Grenzformalitäten beginnt die Abfahrt. Auch die Alaskaseite der Straße ist nur geschottert. Es geht ein Tal hinunter bis zu einem Campingplatz an einem kleinen Fluss.
20. Tag: 60 Kilometer Schotter
Auch heute stehen noch einmal 60 Kilometer Schotterpiste auf dem Programm. Der Taylor Highway, so heißt der größere Feldweg auf der amerikanischen Seite ist ein ewiges Auf und Ab. Ich durchradle den lustigen Ort Chicken, der einst auch mit Gold gesegneten Boden hatte. Endlich habe ich die asphaltierte Straße erreicht, aber richtig Freude kommt nicht auf, die nächste Wand baut sich schon vor mir auf. Auf einmal raschelt es neben mir im Gebüsch. Ich sehe nur noch wie ein großer Schwarzbär in den nahen Wald spurtet, es waren keine acht Meter die uns trennten. Für den Fall, dass er angegriffen hätte, hätte ich keine Zeit gehabt, mein Bärenspray aus der Lenkertasche zu holen. Dann hat der Alaska Highway mich wieder. Eine Stunde später rolle ich in der Stadt Tok ein. Hier fülle ich meine Vorräte auf, hole Infos über die bevorstehenden Gebiete Alaskas ein und suche mir einen Campingplatz.
21. Etappe: Keine Steigungen
Die heutige Etappe führt an der Alaska Range entlang, dem großen Gebirgszug im Herzen des Landes. Immer wieder überquere ich große Ströme. Wie schon die letzten Tage habe ich super Wetter bei Temperaturen um die 25 Grad. An einer Stelle geht der Highway 60 Kilometer am Stück immer nur gerade aus, und die Straße weist zum ersten Mal auf der ganzen Radtour keine nennenswerten Steigungen auf. Gegen Abend baut sich eine riesige Gewitterfront hinter mir auf. Gerade noch rechtzeitig erreiche ich meinen Campingplatz. Als das Wasser für das Abendessen kocht, fängt es an zu regnen. Perfektes Timing.
22. Etappe: An der Rollbahn
Bei stark bewölktem Himmel starte ich heute in die neue Etappe. Kurz nach Big Delta treffe ich zum ersten Mal auf die Trans Alaska Pipeline. Landschaftlich hat der Tag nicht so viel zu bieten. Kurz vor Fairbanks führt die Straße genau an der Rollbahn der Eielson Air Force Base vorbei. Von hier aus kann ich schön die startenden und landenden Kampfflugzeuge sehen. Schon seit Jahren interessiere ich mich für Flugzeuge. Deshalb stehe ich längere Zeit an der Rollbahn. Als immer mehr Flugzeuge landen, merke ich auch gleich den Grund. Am Himmel braut sich ein schönes Gewitter zusammen. Da ich zuschaue bis die letzte Maschine am Boden ist, erwischt mich das Gewitter. Doch nach rund 15 Minuten bin ich aus dem Regen heraus gefahren. Jetzt nimmt der Verkehr stark zu. Der Highway wird zweispurig. Dann habe ich Fairbanks erreicht. Die Stadt ist der nördlichste Punkt auf meiner Radreise durch Nordamerika, sie liegt nur rund 300 Kilometer südlich des Polarkreises.