Tagebuch Teil 5
26. Tag 23.06.2003 Bergen – Herand +++ 108km, 1200hm
Im Berufsverkehr verließ ich die Stadt Bergen. Das Wetter war leider nicht besser geworden. Nach einer Fährfahrt am Morgen, die mich über den Fusafjord brachte gelangte ich auf schöne Nebenstraßen die frei von Touristen sind. Dann erreichte ich den Hardangerfjord der mit einer Länge von 179 km der zweit längste Norwegens ist, von hier aus konnte ich wieder die schneebedeckten Berge sehen.
Wegen des Regens tastete ich mich heute von einem Bushäuschen zum nächsten. Leider hatte es sich am Mittag eingeregnet und so erreichte ich nach der zweiten Fährfahrt über den Hardangerfjord und nach nur 108 km den Campingplatz.
Rote Lupinen am Sørfjord
27. Tag 24.06.2003 Herand – Røldal +++ 112km, 1645hm
15 Stunden hatte es jetzt am Stück geregnet, doch als ich am morgen startete waren die Straßen trocken. Weiter folgte ich dem Hardangerfjord wo ich viele Obstplantagen passierte. Auch heute faszinierten mich die unzähligen Wasserfälle die von den Bergen in den Fjord hinunterstürzen. Ich radelte am Folgefonngletscher entlang, er ist der dritt größte des Landes. Gegen Mittag setzte leider wieder Nieselregen ein.
Am Ende des Fjords fuhr ich durch den Industrieort Odda und dann an beeindruckenden Stromschnellen vorbei. Hier umfahre ich zwei lange Tunnels in dem ich über die alte Passstraße fahre, die aber eigentlich noch gesperrt ist. Sie steigt bis auf 1067 m an und führte mich an bis zu 3 m hohen Schneewänden vorbei.
An manchen Stellen musste ich das Rad über kleine Schneefelder schieben Als ich oben ankam wurde der Regen immer stärker. Bei Eiskalten 6 Grad geht es in die Abfahrt nach Rødal wo ich übernachtet habe. Durchnässt beende ich nach 112 km frühzeitig die Etappe.
Die Fahrt über eine 1067 Meter hohe Passstraße am Seljestadtfjell, sie war noch gesperrt
28. Tag 25.06.2003 Røldal – Blefjell +++ 212km, 2645hm
Als ich in die Etappe startete war es noch stark bewölkt. Von Rødal aus ging es gleich über den nächsten Pass. Auch hier wich ich auf eine gesperrte Passstraße aus. Oben auf 1148 m fühlte ich mich wie in einer Höhe von mehren tausend Metern. Jetzt gewann endlich die Sonne den Kampf gegen die Wolken, ein unbeschreiblich schönes Gefühl überkam mich als die Sonne die Winterlandschaft verzauberte. Fünf Regentage hatte ich jetzt hinter mir.
Die Straße verläuft entlang der Hardangervida, die mit einer Fläche von mehr als 9000 km² und einer durchschnittlichen Höhe von 1000 - 1200 m Europas größtes Hochplateau ist. Hier gibt es unter anderem noch 12000 Rentiere und den Lemming der sich alle 4 Jahre „explosionsartig“ vermehrt und dann wegen Nahrungsknappheit abwandert um neue Gebiete zu suchen. Die meisten Nager sterben bei dieser Wanderung.
Nun durchquerte ich den Bezirk Telemark, die Wiege des Skisports. Es folgten zwei weitere Pässe mit 900 und 1000 m. Beim Ort Rjukan erreichte ich eine gewaltige Schlucht wo das Wasser zu einem riesigen Wasserkraftwerk abgeleitet wird. Norwegen hat das größte Wasserkraftpotenzial Europas. Am Abend lag noch einmal eine Steigung auf 750 Meter vor mir, bevor ich nach 212 Km und 2640 Höhenmeter einen wunderschön gelegenen Campingplatz am See erreichte.
Die Hardangervidda
29. Tag 26.06.2003 Blefjell – Uvdal +++ 151km, 948hm
Bei der Weiterfahrt fuhr ich an weiteren schönen Seen vorbei. Am Morgen traf ich denn ersten Tourenradler seit Tagen. Er kommt aus Hannover und ist seit zweieinhalb Wochen unterwegs. In den letzten Jahren war er in Portugal, Kanada, USA und in Neuseeland mit dem Reiserad unterwegs.
Richtig neidisch auf seine Touren fuhr ich weiter, waren es doch genau die Länder die mich auch Interessieren. Auf schönen Nebenstraßen ginge es das Numedal hoch. Heute war ein richtiger Sommertag mit 27 Grad. Die Kilometerzahl betrug heute 151 Km.
Wolken spiegeln sich in einem See
30.Tag 27.06.2003 Uvdal - Vinna +++ 197km, 1633hm
Ich bin bisher auf meiner Norwegenreise besser vorangekommen als geplant und startete deshalb noch einmal Richtung Norden hoch in die Berge. Am Morgen stand gleich der erste Pass mit 1100 Meter auf dem Programm. Oben treffe ich einen Motorradfahrer aus Österreich. Er war mit seiner Kameraausrüstung unterwegs und macht von seinen Reisen Vorträge. Er war schon in Südamerika, auf den Philippinen, Burma und mehre Wochen bei Eingeborenen im Urwald von Neu-Guinea. Es war interessant seinen Reiseschilderungen zuzuhören.
Nach der Abfahrt folgen für mich zwei weitere Passfahrten mit 1063 m und 1010 m und oben angekommen erwartete mich ein schöner Fernblick auf große Wälder und Seen. Dann ereichte ich den Wintersportort Geilo.
Bei der Weiterfahrt wies mich ein Infoschild auf einen Meteoritenkrater hin, den ich mir natürlich anschauen wollte. Den Umweg von 6 km nahm ich in Kauf. Es folgte nun ein sehr steiler Anstieg und das ganze noch bei 30 Grad Hitze. Oben fand ich keinen Krater nur eine Infotafel. Dann bemerkte ich, dass ich mittendrin stand. Er hat einen Durchmesser von 5 Km und war einmal 700 Meter tief, aber leider schlug er bereits vor 650 Millionen Jahren ein, jetzt erkennt man kaum noch etwas.
Am Abend kamen mir sehr viele Autos entgegen, da viele Norweger am Wochenende in die Natur hinaus fahren um von der Arbeitswoche abzuschalten. Am Sperillensee fand ich nach 197 Km einen Campingplatz.
Die Stabkirche von Uvdal
31. Tag 28.06.2003 Vinna - Lillestrøm +++ 144km, 1129hm
Beim zusammenpacken am Morgen überraschte mich ein kurzer Schauer. Kurz vor Oslo passierte ich viele schöne Rappsfelder. Da ich von Westen kam und nach Lillestrøm wollte, musste ich durch die ganze Stadt Oslo fahren. In Oslo besichtigte ich noch drei Museen. Als erstes ging ich in das Wikingermuseum in dem es die
besterhaltensten Wikingerschiffe zu betrachten gibt.
Danach schaute ich das Kon - Tiki - Museum an, hier wird man über die Reisen von Thor Heyerdahl informiert. Unter anderem stehen hier auch einige der berühmten bis zu 10 m hohen Statuen von den Osterinseln. Das dritte und beeindruckenste Museum das ich besuchte war das Fram Museum. Dort besichtige ich das Polarschiff Fram, außerdem informiert das Museum über alle Polarexpeditionen Norwegens.
Vor dem Museum steht das Schiff Gjøa, die als erstes die legendäre Nord - West - Passage durchfuhr.
Nach 144 km erreichte ich Lillestrøm, den Ausgangsort meiner Reise. Hier wurde ich wieder von Solfried und Peer aufgenommen.
Am darauf folgenden Tag trat ich meine Heimreise mit dem Flugzeug an.
Zuhause wurde ich von Familie und Vereinskollegen mit einem kleinen Fest empfangen
Ein Rappsfeld kurz vor Oslo