2.
Reisebericht – Tierra
del Fuego (10.11.2009)
Nach
Tolhuin biegen wir in
das Herz von Feuerland ein. Die Schotterstraße
führt uns in die Waldregion Feuerlands und zum Lago Yehuin.
Es sind kleine Buchenarten und verkrumpelte Bäume mit
Flechten,
die von den Ästen baumeln. Die Straße ist kaum
befahren und
wir sehen zahlreiche Guanakos. Die scheuen, stattlichen Tiere stammen
von den Lamas ab. Leider sehen wir auch tote Guanakos die sich in den
Weidezäunen
verfangen haben, beim Versuch des Überspringens.
Wir erleben auch, dass sich eines vor unseren Augen verfängt.
Wir sind schon drauf und dran es wieder zu befreien, aber
es hat solche Panik vor uns, dass es sich selbst wieder befreit
und ärgerlich pfeifend davon läuft. Am Abend
erreichen wir den Lago Yehuin,
wo wir am See bei einer verfallenen Hosteria unser Zelt aufschlagen.
Nach
dem Lago Yehuin
ändert sich das Landschaftsbild, die Wälder
treten zurück und die weitläufigen Estanzien mit
ihren riesigen
Weideländern prägen die Landschaft. Der Wind nimmt in
diesem
offenen Gelände zu, natürlich Gegenwind. Die letzten
paar Kilometer
vor Rio Grande dürfen wir dann noch erfahren, wie
schön und
wie schnell man sein kann, wenn der Wind von hinten kommt.
In Rio Grande legen wir einen Ruhetag ein, um für die
nächsten Kilometer
gerüstet zu sein.
Denn ab Rio Grande bis Povenir
heißt es
„Wind aus Westen“, also Gegenwind. Und Wind ist
nicht gleich Wind,
dieser kann einen fast zum Verzweifeln bringen. Aber eins nach dem
Anderen.
Von
Rio Grande bis San
Sebastian schaffen wir es trotz Wind in einem Tag.
Am nächsten Tag überqueren wir die Grenze von
Argentinien nach Chile.
Hier läuft alles ohne Probleme, wir werden gefragt ob wir
Obst,
Gemüse oder Fleisch mitführen, aber das tun wir
natürlich nicht
und es wird nur in unseren vorderen Taschen nachgeschaut,
ob das auch stimmt. Nach der Grenze wird die Straße immer
einsamer,
die Pampa immer offener, Schafe weiden neben der Straße und
auch
Guanakos kreuzen immer wieder unsere Wege. Aber auch der Wind
wird immer kräftiger und wir haben Mühe
vorwärts zu kommen.
Teilweise nur 6 km/h die Stunde mit kräftigen Strampeln.
Das geht an die psychischen und physischen Kräfte. Das
Wenigste,
was wir an einem Tag geschafft haben waren nur 33 km,
trotz 8-stündiger Fahrt. Auch die Kälte zehrt an uns.
Teilweise fegen uns kleine Hagelkörner und Schneeflocken in
das Gesicht,
dass man meint, 1000 Nadelstiche traktieren dein Gesicht.
Doch dann kommt auch immer wieder mal die Sonne zum Vorschein und man
kann
sich an dieser grandiosen, einsamen Landschaft gar nicht sattsehen.
Wir gelangen an die Bahia Inútil – Magelan
nannten sie seinerseits die nutzlose Bucht, da diese große
Bucht
ihn bei dem Versuch eine Ost-West-Passage zwischen dem Atlantik
und dem Pazifik zu finden, in die Irre führte. An der Bucht
campieren wir
neben Fischerbooten, auf dem Boden liegen überall die Reste
von Krabben herum.
Doch sind wir hier ein wenig windgeschützt und wir haben sogar
ein Plumpsklo
mit Aussicht aufs Meer.
Da wir nur schleppend vorankommen, neigt sich unser
Proviant.
Mit der letzen Packung Kekse schaffen wir es bis Povenir, wo wir um
17 Uhr
noch die letzte Fähre über die
Magelanstraße in 2 Std. aufs Festland schaffen.
Wir verabschieden uns von dem einzigartigen Feuerland mit
seinem Wind,
den schneebedeckten Bergen, der rauen See, den im Halb-Stunden-Takt
sich
wechselndem Wetter, der Einsamkeit, die wir gesucht und hier gefunden
haben.
Adios Tierra del Fuego – wir werden wiederkommen,
denn eine Traumstraße würden wir noch gerne
kennenlernen!