Südamerika Fahrradreise - Argentinien - Chile
 Oktober 2009 - Mai 2010
 
 

2. Reisebericht – Tierra del Fuego (10.11.2009)

Nach Tolhuin biegen wir in das Herz von Feuerland ein. Die Schotterstraße
führt uns in die Waldregion Feuerlands und zum Lago Yehuin.
Es sind kleine Buchenarten und verkrumpelte Bäume mit Flechten,
die von den Ästen baumeln. Die Straße ist kaum befahren und
wir sehen zahlreiche Guanakos. Die scheuen, stattlichen Tiere stammen
von den Lamas ab. Leider sehen wir auch tote Guanakos die sich in den Weidezäunen
verfangen haben, beim Versuch des Überspringens.
Wir erleben auch, dass sich eines vor unseren Augen verfängt.
Wir sind schon drauf und dran es wieder zu befreien, aber
es hat solche Panik vor uns, dass es sich selbst wieder befreit
und ärgerlich pfeifend davon läuft. Am Abend erreichen wir den Lago Yehuin,
wo wir am See bei einer verfallenen Hosteria unser Zelt aufschlagen.

 







Nach dem Lago Yehuin ändert sich das Landschaftsbild, die Wälder
treten zurück und die weitläufigen Estanzien mit ihren riesigen
Weideländern prägen die Landschaft. Der Wind nimmt in diesem
offenen Gelände zu, natürlich Gegenwind. Die letzten paar Kilometer
vor Rio Grande dürfen wir dann noch erfahren, wie schön und
wie schnell man sein kann, wenn der Wind von hinten kommt.
In Rio Grande legen wir einen Ruhetag ein, um für die nächsten Kilometer
gerüstet zu sein. 





Denn ab Rio Grande bis Povenir heißt es
„Wind aus Westen“, also Gegenwind. Und Wind ist nicht gleich Wind,
dieser kann einen fast zum Verzweifeln bringen. Aber eins nach dem Anderen.

Von Rio Grande bis San Sebastian schaffen wir es trotz Wind in einem Tag.
Am nächsten Tag überqueren wir die Grenze von Argentinien nach Chile.
Hier läuft alles ohne Probleme, wir werden gefragt ob wir Obst,
Gemüse oder Fleisch mitführen, aber das tun wir natürlich nicht
und es wird nur in unseren vorderen Taschen nachgeschaut,
ob das auch stimmt. Nach der Grenze wird die Straße immer einsamer,
die Pampa immer offener, Schafe weiden neben der Straße und auch
Guanakos kreuzen immer wieder unsere Wege. Aber auch der Wind
wird immer kräftiger und wir haben Mühe vorwärts zu kommen.
Teilweise nur 6 km/h die Stunde mit kräftigen Strampeln.
Das geht an die psychischen und physischen Kräfte. Das Wenigste,
was wir an einem Tag geschafft haben waren nur 33 km,
trotz 8-stündiger Fahrt. Auch die Kälte zehrt an uns.
Teilweise fegen uns kleine Hagelkörner und Schneeflocken in das Gesicht,
dass man meint, 1000 Nadelstiche traktieren dein Gesicht.
Doch dann kommt auch immer wieder mal die Sonne zum Vorschein und man kann
sich an dieser grandiosen, einsamen Landschaft gar nicht sattsehen. 










Wir gelangen an die Bahia Inútil – Magelan
nannten sie seinerseits die nutzlose Bucht, da diese große Bucht
ihn bei dem Versuch eine Ost-West-Passage zwischen dem Atlantik
und dem Pazifik zu finden, in die Irre führte. An der Bucht campieren wir
neben Fischerbooten, auf dem Boden liegen überall die Reste von Krabben herum.
Doch sind wir hier ein wenig windgeschützt und wir haben sogar ein Plumpsklo
mit Aussicht aufs Meer. 





Da wir nur schleppend vorankommen, neigt sich unser Proviant.
Mit der letzen Packung Kekse schaffen wir es bis Povenir, wo wir um 17 Uhr
noch die letzte Fähre über die Magelanstraße in 2 Std. aufs Festland schaffen.
Wir verabschieden uns von  dem einzigartigen Feuerland mit seinem Wind,
den schneebedeckten Bergen, der rauen See, den im Halb-Stunden-Takt
sich wechselndem Wetter, der Einsamkeit, die wir gesucht und hier gefunden haben.
Adios Tierra del Fuego – wir werden wiederkommen,
denn eine Traumstraße würden wir noch gerne kennenlernen!

 

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