Südamerika Fahrradreise - Argentinien - Chile
 Oktober 2009 - Mai 2010
 
 

3. Reisebericht – Patagonien

Nach der Fährfahrt über die Magelanstraße erreichen wir Punta Arenas,
das südamerikanische Festland. Die Stadt ist sehr lebhaft und schön.
Einen Ruhetag verbringen wir hier in einem günstigen, gemütlichen Hostal,
wo wir neue Reisebekanntschaften schließen.

die chilenischen Wahlen stehen bevor


Moni beim Ausruhen und Bericht schreiben

Weiter geht es in 4 Tagen bis nach Puerto Natales. Dazwischen reine Pampalandschaft und der Wind.
Die Temperaturen sind weiterhin sehr kalt, eines Nachts werden wir sogar eingeschneit.
Kurz nach Punta Arenas mache ich Bekanntschaft mit einem Pferd, das angebunden auf unserem Weg steht.
Thorsten fährt über das Seil, das Pferd bleibt ruhig stehen, als ich über das Seil fahre, galoppiert es los.
Das Seil spannt sich, verfängt sich in meinem Rad und ich gehe zu Boden. Das Pferd in Panik und ich auch.
Zum Glück ist nichts weiter passiert, außer einer Abschürfung am Fuß und ein Hämatom am Oberschenkel.
Die Freundlichkeit der vorbei fahrenden Autos und
Lkws, die winkend oder den Daumen nach oben gezeigt
an uns vorbei fahren, sorgt für Abwechslung und muntert uns auf, wenn wir gegen den Wind kämpfen.
Ein Mietwagen hält neben uns und ein Münchener Pärchen versorgt uns mit Obst und Schoki - Vielen Dank noch mal!


Moni müde 

Gaucho


eingeschneit

Puerto Natales liegt schön gelegen an einem Fjord. Hier ruhen wir einen Tag
und kaufen für 8 Tage genügend Lebensmittel ein. Denn unser nächstes Ziel ist der Nationalpark Torres del Paine.
Nach der Pampalandschaft erfreuen sich unsere Augen an dem vielen grün, der Seen und der Schönheit der Berge.
Wir verbringen 3 Tage im Park und werden mit schönem Wetter belohnt. Im Park sehen
wir wieder viele Guanakos, die hier sehr zahm sind und denen man sich bis auf wenige Meter herannähern kann.
Die Männchen stellen sich teilweise sogar richtig zur Schau, meint man.
An den touristischen Aussichtsplattformen, wo die Busse und Autos halten können, werden wir zum Fotomotiv.
Unsere Räder werden bestaunt und mit uns geredet, was immer sehr lustig ist.



im Nationalpark Torres del Paine

Nach der Parkgrenze schlagen wir unser Zelt weiter abseits von der Straße auf, hier sind noch keine Zäune.
Als wir im Zelt liegen, hören wir auf einmal lautes Muh, Muh, Muh.
Wir schauen aus dem Zelt und es laufen drei große Bullen in unsere Richtung.
Thorsten geht aus dem Zelt, klatscht laut in die Hände und die Tiere laufen davon.
Mulmig ist es uns trotzdem und Thorsten baut aus unseren Rädern und herumliegenden Hölzern einen Zaun um unser Zelt.
Es kommen jedoch keine Rinder mehr.

In Cerro Castillo passieren wir den Grenzübergang nach Argentinien.
Zum ersten Mal fahren wir nun auf der berühmten Routa 40. In Tapi Aiki (einer Estanzia und Tankstelle)
verlassen wir die geteerte Routa 40 und folgen der geschotterten Abkürzung. Kaum Autos begegnen uns.
Die weite, einsame Pampalandschaft zieht uns in ihren Bann. Faszinierende Wolkenformationen ziehen über unser Köpfe hinweg,
der Rückenwind hilft uns bei dem Auf und Ab, und wir können diese surreale Landschaft genießen.


"Tanken" in Cerro Castillo


weite Pampalandschaft

Wir erreichen unser nächstes Etappenziel El Calafate. Eigentlich wollten wir heute
einen Ruhetag einlegen, aber das traumhafte Wetter und vor allem die Windstille ziehen uns zur Weiterfahrt.
Denn wir wollen zum Moreno Gletscher (eine Stichstraße von El Calafate und normalerweise Gegenwind).
80 km sind es zum Gletscher und bei diesen Bedingungen gut machbar. Am späten Nachmittag
erreichen wir die Nationalparkgrenze Los Glaciares. Von hier sind es noch 30 km bis zum Gletscher.
Die Landschaft wird immer schöner. Viele Bäume, Löwenzahnwiesen und kräftig rot leuchtende Büsche säumen unseren Weg.
Auf dem Lago Argentino sehen wir schon die ersten Eisschollen schwimmen und das bei 21 Grad!
Um ca. 18 Uhr werden wir von einem Parkranger angehalten. Er sagt, dass es schon sehr spät ist
und wir den Rückweg vom Gletscher aus dem Park wohl kaum mehr schaffen werden,
ohne im Park zu übernachten (wild zelten ist in den Nationalparks nicht erlaubt und hier gibt es keinen Campingplatz,
nur ein sehr teures Hotel). Er erlaubt uns, unser Zelt am Parkplatz des Gletschers für eine Nacht aufzuschlagen.
Ein paar Kurven später kommt uns ein Reiseradler entgegen. Wir erkennen ihn, es ist Nestor, der Argentinier,
mit dem wir ein Stück in Feuerland geradelt sind. Nach einem Plausch trennen sich unsere Wege wieder.
Nach ein paar anstrengenden Steigungen erreichen wir am Abend den Perito Moreno Gletscher,
er gehört zu einer riesigen Eisfläche, das größte Gletscherfeld außerhalb der Polarregionen.
Es sind kaum noch Touristen da, wir stellen die Räder ab und erkunden den Gletscher.
Am Parkplatz zurück, klopfen wir bei einem deutschen Camper. Ein freundliches Ehepaar aus Tübingen
öffnet uns die Tür und wir unterhalten uns eine Weile. Sie verbringen die Nacht auch auf dem Parkplatz.
Wir schlagen unser Zelt in einem kleinen Waldstück Nähe des Parkplatzes auf.
In der Nacht hören wir immer wieder das Knarren und Krächtzen des abkalbenden Eises.
Am nächsten Morgen stehen wir sehr zeitig auf und packen unsere Sachen zusammen.
Ausgiebig erkunden wir jetzt noch einmal den Gletscher. Anfangs haben wir ihn ganz für uns
und sind fasziniert von den verschiedenen Blautönen und dem strahlenden Weiss.
Als wir uns satt gesehen haben, kehren wir zum Parkplatz zurück. Erst gegen Mittag
treten wir unseren Rückweg nach El Calafate an, immer wieder kommen Leute auf uns zu,
es wird viel gefragt und fotografiert. Die 80 km zurück schaffen wir locker,
denn heute haben wir Wind und er ist auf unserer Seite. Jetzt haben wir unseren Ruhetag redlich verdient.

Zu unserem nächsten Highlight nach El Chaltan zum Fitz Roy sind es ca. 230 km.
Die ersten 30 km von El Calafate zurück zur Routa 40 haben wir extremen Rückenwind,
darüber können wir uns nicht wirklich freuen, da wir wissen, dass wir gleich nach rechts
auf die Routa 40 einbiegen müssen und der Wind von der Seite kommen wird. So ist es dann auch.
Ich kann teilweise nur schieben, so heftig drückt der Wind, dass ich mich nicht auf dem Fahrrad halten kann.
Zudem kommt noch ein Sandsturm auf. Der Sand verfängt sich in jeder Pore.
Unser Zelt bauen wir ein wenig windgeschützt hinter einem Baum auf. Am nächsten Tag kommen wir besser voran.
Wir übernachten heute bei einem Hotel, hier kann man auch campen.
Für heute Nacht sind unsere Nachbarn: 2 Enten, 2 Hühner, 1 Ziege, 3 Schafe,
1 Guanako, Katzen, Pferde und 1 Hund, die frei herum laufen.


der liebe Wind

Richtung El Chaltan müssen wir die Routa 40 verlassen. Eine Sackgasse führt zu dem Bergsteigerdorf.
Der Wind kommt nun frontal von vorne und die restlichen Kilometer werden sehr beschwerlich.
Der Wind bläst uns eisig ins Gesicht und Wolken ziehen auf. Leider verdecken die Wolken die Sicht auf den Fitz Roy.
El Chaltan ist ein kleines Dorf mit vielen Bergsteigertouristen. Einen Tag gönnen wir uns eine Pause.
Von hier aus sind es 37 km zum Lago del Desierto, von wo wir über eine abenteuerliche Route
auf die Traumstraße Carretera Austral in Chile gelangen wollen.
Wir starten erst gegen Mittag von El Chaltan aus zum Lago. Die erste Hälfte des Weges
ist sehr stark geschottert, doch entschädigt uns die wunderschöne Landschaft.
Wälder, Flüsse, Wiesen, Wasserfälle, Gletscherberge um uns herum.
So stellen wir uns die Carretera Austral vor und in unseren Köpfen sind wir schon dort.
Wir schlagen also am Lago del Desierto unser Zelt am Campingplatz auf, 
kaufen für den nächsten Vormittag das Bootsticket, das uns über den See bringt
und freuen uns auf die Weiterreise. Doch es kommt alles anders.

Nachdem wir uns häuslich eingerichtet haben, suche ich nach einem WC und übersehe auf der Wiese eine Mulde,
in die ich mit meinem rechten Fuß einknicke. Ich kann nicht aufstehen bzw. auftreten, es tut höllisch weh.
Als ich aus dem Schuh schlüpfe, schwillt der Knöchel sogleich an. Den nächsten Tag warten wir,
ob es besser wird, aber leider ist es nicht der Fall. Den Tag darauf schiebt Thorsten mich mit dem Rad zum Office.
Die Leute dort sind sehr besorgt um mich und rufen gleich einen Krankenwagen.
Eine Stunde später trifft er ein, mein Bein wird in eine Schiene verfrachtet und wir holpern
die 37 km zurück Richtung El Chaltan zu dem kleinen Krankenhaus. Während der Fahrt bleibt der Wagen stehen,
der Fahrer fragt Thorsten, ob er draußen ein Foto von einer Eule machen möchte.
Nachdem die Aufnahme im Kasten ist, fahren wir schmunzelnd weiter. Im Krankenhaus nimmt mich eine Ärztin
in Empfang (sie spricht englisch), untersucht meinen Fuß und macht eine Röntgenaufnahme.
Gebrochen ist nichts, aber die Bänder überdehnt. Ich soll 8 Tage nicht laufen.
Sie macht ein paar Tapestreifen um meinen Fuß, dann werde ich in ein Krankenzimmer gebracht,
wo mein Fuß hoch gelagert und gekühlt wird. Hier kann ich die 2 Stunden auf das Auto warten,
das uns zurück zum Campingplatz am Lago bringt. Thorsten geht derweil noch einkaufen für die nächsten Tage.


im Krankenwagen


im Krankenzimmer

Die nächsten 3 Tage bin ich auf dem Campingplatz gefangen und kann nicht viel machen.
Der Naturplatz liegt sehr schön in einem Wäldchen. Wir haben nur zwei Nachbarn, zwei argentinische Angler,
die sehr freundlich sind und mich auch mal von ihren köstlichen Forellen probieren lassen.
Thorsten verbringt die Tage mit Berichte schreiben. Er besteigt auch den nahe gelegenen Aussichtshügel,
von dem man aus das Fitz Roy Massiv sehen kann und wo sich ein kleiner Gletschersee befindet.
Der Fuß schwillt langsam ab, richtig auftreten kann ich jedoch noch nicht.
Aber ich will weiter und so brechen wir am Nikolaustag auf.


 guter Fang


 ab in die Pfanne


lecker Fisch


 ausruhen


 Wildbeobachtung


 Blick vom Aussichtshügel

Das Boot bringt uns am Vormittag auf die andere Seite des Lago del Desierto.
Hier befindet sich die argentinische Grenzstation, die Grenzbeamten drücken
den Ausreisestempel in die Pässe und wir dürfen unser Zelt kostenlos am Lago aufschlagen.
Morgen früh wollen wir sehr zeitig loslaufen, um die Strecke zum Lago Villa O'Higgins zu schaffen.
Der Weg soll sehr beschwerlich sein, da es eigentlich ein Wanderweg ist, der sehr steil
über einen niedrigen Pass hinüber nach Chile führt. Am Nachmittag erkundet Thorsten schon mal,
wo der Einstieg zum Trail ist. Thorsten kommt zurückgeeilt und berichtet, dass gerade eben
einige Fahrradfahrer und Wanderer mit Pferden angekommen sind.
Die Pferde würden heute wieder zum Lago Villa O'Higgins zurücklaufen, wir können mit
und unser Gepäck auf ihnen verstauen. Schnell packen wir alles zusammen und gehen zu dem Pferdeführer Ricardo.
Nachdem die anderen Reiseradler sagen, dass ich den Weg mit meinem Fuß nicht schaffen werde,
da es sehr steil, eng und weit ist, beschließen wir, alle zwei Fahrräder, unsere Taschen
und mich auf den Rücken der Pferde transportieren zu lassen. Ricardo verzurrt unsere Sachen auf den Pferden,
die Fahrräder müssen wir zerlegen - Pedale, Fahrradständer und Räder müssen abmontiert werden.
Zuletzt muss ich aufs Pferd, mir ist sehr mulmig zumute, da ich doch noch nie geritten bin.
Ricardo gibt Thorsten die Zügel in die Hand, er soll das Pferd führen.
Der Einstieg ist schon sehr steil und schmal, mit meinen Händen kralle ich mich in den Sattel.
Ich fühle mich so wackelig auf dem Pferd. Es geht steil bergauf, steil bergab,
Baumstämme und Flussläufe müssen überquert und durchwatet werden. Ich hoffe nur,
dass das Pferd sich auskennt und nicht ins straucheln kommt. Ricardo reitet mit den sieben Pferden vorneweg.
Thorsten kommt ganz schön ins Schwitzen und bekommt nasse und schlammige Füße bis zum Knie.
Nach 2 Stunden erreichen wir in der Abenddämmerung Ricardos Refugium.
Das Absteigen von dem Pferd wird auch noch mal sehr interessant, da ich den rechten Fuß doch noch nicht richtig
belasten kann, aber die Männer helfen mir vom Pferd. Ich habe ganz zittrige Knie,
als ich absteige und mein Hintern hat während der ganzen Reise noch nicht so wehgetan wie jetzt nach dem Höllenritt.
Dennoch bin ich froh, dass ich die Strecke nicht laufen musste, da mein Fuß allein durch das Herabhängen
schon wieder zum Pochen anfängt. Als wir unser Gepäck abladen,
stellen wir mit Erschrecken fest, dass ein Schnellspanner meines Vorderrads verloren gegangen ist.
Ohne den Spanner kann man das Rad nicht einbauen und somit ist Radfahren unmöglich.
Wir suchen in der näheren Umgebung, finden aber nichts. Es wäre auch sinnlos zurückzugehen,
denn die Pferde sind teilweise kreuz und quer durchs Unterholz gelaufen.
Wir können unsere Sachen auf Ricardos Jeep laden, er fährt uns runter zum Lago Villa O'Higgens,
wo er eine Estanzia mit Gästezimmer und Zeltmöglichkeit hat.
Bevor wir im letzten Abendlicht unser Zelt aufbauen, erledigen wir noch die chilenischen Grenzformalitäten an der Zollstation.
Jetzt müssen wir zwei Tage warten, bis das Boot uns nach Villa O'Higgins - den Start der Carretera Austral
bringt und hoffen, dass wir in der 500 Einwohnergemeinde einen Schnellspanner auftreiben können.


Fahrräder werden aufgeladen


 unser Gepäck ist verzurrt


 mulmiges Gefühl


 schmale Pfade


 über Stock und Stein


 ich stehe wieder auf meinen Beinen - Danke liebes Pferd


 kurze Teepause am Refugio, bevor es mit dem Jeep zur Estanzia geht


Zeltblick


 Weg hier!
Dass ist unser Essen

 

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