3. Reisebericht – Patagonien
Nach der
Fährfahrt über die Magelanstraße erreichen
wir Punta
Arenas,
das südamerikanische Festland. Die Stadt ist sehr lebhaft und
schön.
Einen Ruhetag verbringen wir hier in einem günstigen,
gemütlichen Hostal,
wo
wir neue Reisebekanntschaften schließen.
die chilenischen Wahlen stehen bevor
Moni beim Ausruhen und
Bericht schreiben
Weiter geht es in 4
Tagen bis nach Puerto Natales. Dazwischen
reine Pampalandschaft und der Wind.
Die Temperaturen sind weiterhin sehr kalt,
eines Nachts werden wir sogar eingeschneit.
Kurz nach Punta Arenas mache ich
Bekanntschaft mit einem Pferd, das angebunden auf unserem Weg steht.
Thorsten
fährt über das Seil, das Pferd bleibt ruhig stehen,
als ich über das Seil
fahre, galoppiert es los.
Das Seil spannt sich, verfängt sich in meinem Rad und
ich gehe zu Boden. Das Pferd in Panik und ich auch.
Zum Glück ist nichts weiter
passiert, außer einer Abschürfung am Fuß
und ein Hämatom am Oberschenkel.
Die
Freundlichkeit der vorbei fahrenden Autos und Lkws, die
winkend oder den Daumen nach oben gezeigt
an uns vorbei fahren, sorgt für
Abwechslung und muntert uns auf, wenn wir gegen den Wind
kämpfen.
Ein Mietwagen
hält neben uns und ein Münchener Pärchen
versorgt uns mit Obst und Schoki -
Vielen Dank noch mal!
Moni müde
Gaucho
eingeschneit
Puerto Natales liegt schön gelegen an einem Fjord. Hier ruhen
wir einen Tag
und
kaufen für 8 Tage genügend Lebensmittel ein. Denn
unser nächstes Ziel ist der
Nationalpark Torres del Paine.
Nach der Pampalandschaft erfreuen sich unsere Augen
an dem vielen grün, der Seen und der Schönheit der
Berge.
Wir verbringen 3 Tage
im Park und werden mit schönem Wetter belohnt. Im Park sehen
wir wieder viele
Guanakos, die hier sehr zahm sind und denen man sich bis auf wenige
Meter
herannähern kann.
Die Männchen stellen sich teilweise sogar richtig zur Schau,
meint man.
An den touristischen Aussichtsplattformen, wo die Busse und Autos
halten können, werden wir zum Fotomotiv.
Unsere Räder werden bestaunt und mit
uns geredet, was immer sehr lustig ist.
im Nationalpark Torres
del Paine
Nach der Parkgrenze
schlagen wir unser Zelt weiter abseits von der
Straße auf, hier sind noch keine Zäune.
Als wir im Zelt liegen, hören wir auf
einmal lautes Muh, Muh, Muh.
Wir schauen aus dem Zelt und es laufen drei große
Bullen in unsere Richtung.
Thorsten geht aus dem Zelt, klatscht laut in die
Hände und die Tiere laufen davon.
Mulmig ist es uns trotzdem und Thorsten baut
aus unseren Rädern und herumliegenden Hölzern einen
Zaun um unser Zelt.
Es
kommen jedoch keine Rinder mehr.
In Cerro Castillo
passieren wir den Grenzübergang nach
Argentinien.
Zum ersten Mal fahren wir nun auf der berühmten Routa 40. In
Tapi
Aiki (einer Estanzia und Tankstelle)
verlassen wir die geteerte Routa 40 und
folgen der geschotterten Abkürzung. Kaum Autos begegnen uns.
Die weite, einsame
Pampalandschaft zieht uns in ihren Bann. Faszinierende
Wolkenformationen ziehen
über unser Köpfe hinweg,
der Rückenwind hilft uns bei dem Auf und Ab, und wir
können diese surreale Landschaft genießen.
"Tanken" in
Cerro Castillo
weite Pampalandschaft
Wir erreichen unser
nächstes Etappenziel El Calafate. Eigentlich
wollten wir heute
einen Ruhetag einlegen, aber das traumhafte Wetter und vor
allem die Windstille ziehen uns zur Weiterfahrt.
Denn wir wollen zum Moreno
Gletscher (eine Stichstraße von El Calafate und normalerweise
Gegenwind).
80 km
sind es zum Gletscher und bei diesen Bedingungen gut machbar. Am
späten Nachmittag
erreichen wir die Nationalparkgrenze Los Glaciares. Von hier sind es
noch 30 km
bis zum Gletscher.
Die Landschaft wird immer schöner. Viele Bäume,
Löwenzahnwiesen und kräftig rot leuchtende
Büsche säumen unseren Weg.
Auf dem
Lago Argentino sehen wir schon die ersten Eisschollen schwimmen und das
bei 21
Grad!
Um ca. 18 Uhr werden wir von einem Parkranger angehalten. Er sagt, dass
es schon sehr spät ist
und wir den Rückweg vom Gletscher aus dem Park wohl kaum
mehr schaffen werden,
ohne im Park zu übernachten (wild zelten ist in den
Nationalparks nicht erlaubt und hier gibt es keinen Campingplatz,
nur ein sehr
teures Hotel). Er erlaubt uns, unser Zelt am Parkplatz des Gletschers
für eine
Nacht aufzuschlagen.
Ein paar Kurven später kommt uns ein Reiseradler entgegen.
Wir erkennen ihn, es ist Nestor, der Argentinier,
mit dem wir ein Stück in
Feuerland geradelt sind. Nach einem Plausch trennen sich unsere Wege
wieder.
Nach ein paar anstrengenden Steigungen erreichen wir am Abend den
Perito Moreno
Gletscher,
er gehört zu einer riesigen Eisfläche, das
größte Gletscherfeld
außerhalb der Polarregionen.
Es sind kaum noch Touristen da, wir stellen die
Räder ab und erkunden den Gletscher.
Am Parkplatz zurück, klopfen wir bei einem
deutschen Camper. Ein freundliches Ehepaar aus Tübingen
öffnet uns die Tür und
wir unterhalten uns eine Weile. Sie verbringen die Nacht auch auf dem
Parkplatz.
Wir schlagen unser Zelt in einem kleinen Waldstück
Nähe des
Parkplatzes auf.
In der Nacht hören wir immer wieder das Knarren und
Krächtzen
des abkalbenden Eises.
Am nächsten Morgen stehen wir sehr zeitig auf und packen
unsere Sachen zusammen.
Ausgiebig erkunden wir jetzt noch einmal den Gletscher.
Anfangs haben wir ihn ganz für uns
und sind fasziniert von den verschiedenen
Blautönen und dem strahlenden Weiss.
Als wir uns satt gesehen haben, kehren wir
zum Parkplatz zurück. Erst gegen Mittag
treten wir unseren Rückweg nach El
Calafate an, immer wieder kommen Leute auf uns zu,
es wird viel gefragt und
fotografiert. Die 80 km zurück schaffen wir locker,
denn heute haben wir Wind
und er ist auf unserer Seite. Jetzt haben wir unseren Ruhetag redlich
verdient.
Zu unserem
nächsten Highlight nach El Chaltan zum Fitz Roy sind es
ca. 230 km.
Die ersten 30 km von El Calafate zurück zur Routa 40 haben wir
extremen Rückenwind,
darüber können wir uns nicht wirklich freuen, da wir
wissen, dass wir gleich nach rechts
auf die Routa 40 einbiegen müssen und der
Wind von der Seite kommen wird. So ist es dann auch.
Ich kann teilweise nur
schieben, so heftig drückt der Wind, dass ich mich nicht auf
dem Fahrrad halten
kann.
Zudem kommt noch ein Sandsturm auf. Der Sand verfängt sich in
jeder Pore.
Unser Zelt bauen wir ein wenig windgeschützt hinter einem Baum
auf. Am nächsten
Tag kommen wir besser voran.
Wir übernachten heute bei einem Hotel, hier kann
man auch campen.
Für heute Nacht sind unsere Nachbarn: 2 Enten, 2
Hühner, 1
Ziege, 3 Schafe,
1 Guanako, Katzen, Pferde und 1 Hund, die frei herum laufen.

der liebe Wind
Richtung El Chaltan
müssen wir die Routa 40 verlassen. Eine
Sackgasse führt zu dem Bergsteigerdorf.
Der Wind kommt nun frontal von vorne
und die restlichen Kilometer werden sehr beschwerlich.
Der Wind bläst uns eisig
ins Gesicht und Wolken ziehen auf. Leider verdecken die Wolken die
Sicht auf
den Fitz Roy.
El Chaltan ist ein kleines Dorf mit vielen Bergsteigertouristen.
Einen Tag gönnen wir uns eine Pause.
Von hier aus sind es 37 km zum Lago del
Desierto, von wo wir über eine abenteuerliche Route
auf die Traumstraße
Carretera Austral in Chile gelangen wollen.
Wir starten erst gegen Mittag von El Chaltan aus zum Lago. Die erste
Hälfte des
Weges
ist sehr stark geschottert, doch entschädigt uns die
wunderschöne
Landschaft.
Wälder, Flüsse, Wiesen, Wasserfälle,
Gletscherberge um uns herum.
So stellen wir uns die Carretera Austral vor und in unseren
Köpfen sind wir
schon dort.
Wir schlagen also am Lago del Desierto unser Zelt am Campingplatz
auf,
kaufen für den nächsten Vormittag das Bootsticket,
das uns über den See
bringt
und freuen uns auf die Weiterreise. Doch es kommt alles anders.
Nachdem wir uns
häuslich eingerichtet haben, suche ich nach einem
WC und übersehe auf der Wiese eine Mulde,
in die ich mit meinem rechten Fuß
einknicke. Ich kann nicht aufstehen bzw. auftreten, es tut
höllisch weh.
Als
ich aus dem Schuh schlüpfe, schwillt der Knöchel
sogleich an. Den nächsten Tag
warten wir,
ob es besser wird, aber leider ist es nicht der Fall. Den Tag
darauf schiebt Thorsten mich mit dem Rad zum Office.
Die Leute dort sind sehr
besorgt um mich und rufen gleich einen Krankenwagen.
Eine Stunde später trifft
er ein, mein Bein wird in eine Schiene verfrachtet und wir holpern
die 37 km
zurück Richtung El Chaltan zu dem kleinen Krankenhaus.
Während der Fahrt bleibt
der Wagen stehen,
der Fahrer fragt Thorsten, ob er draußen ein Foto von einer
Eule machen möchte.
Nachdem die Aufnahme im Kasten ist, fahren wir schmunzelnd
weiter. Im Krankenhaus nimmt mich eine Ärztin
in Empfang (sie spricht englisch),
untersucht meinen Fuß und macht eine
Röntgenaufnahme.
Gebrochen ist nichts, aber
die Bänder überdehnt. Ich soll 8 Tage nicht laufen.
Sie macht ein paar
Tapestreifen um meinen Fuß, dann werde ich in ein
Krankenzimmer gebracht,
wo
mein Fuß hoch gelagert und gekühlt wird. Hier kann
ich die 2 Stunden auf das
Auto warten,
das uns zurück zum Campingplatz am Lago bringt. Thorsten geht
derweil noch einkaufen für die nächsten Tage.

im Krankenwagen

im Krankenzimmer
Die nächsten
3 Tage bin ich auf dem Campingplatz gefangen und kann
nicht viel machen.
Der Naturplatz liegt sehr schön in einem Wäldchen.
Wir haben
nur zwei Nachbarn, zwei argentinische Angler,
die sehr freundlich sind und mich
auch mal von ihren köstlichen Forellen probieren lassen.
Thorsten verbringt die
Tage mit Berichte schreiben. Er besteigt auch den nahe gelegenen
Aussichtshügel,
von dem man aus das Fitz Roy Massiv sehen kann und wo sich ein kleiner
Gletschersee befindet.
Der Fuß schwillt langsam ab, richtig auftreten kann ich
jedoch noch nicht.
Aber ich will weiter und so brechen wir am Nikolaustag auf.

guter Fang

ab in die Pfanne

lecker Fisch

ausruhen

Wildbeobachtung

Blick
vom Aussichtshügel
Das Boot bringt uns am
Vormittag auf die andere Seite des Lago del
Desierto.
Hier befindet sich die argentinische Grenzstation, die Grenzbeamten
drücken
den Ausreisestempel in die Pässe und wir dürfen unser
Zelt kostenlos am
Lago aufschlagen.
Morgen früh wollen wir sehr zeitig loslaufen, um die Strecke
zum Lago Villa O'Higgins zu schaffen.
Der Weg soll sehr beschwerlich sein, da
es eigentlich ein Wanderweg ist, der sehr steil
über einen niedrigen Pass
hinüber nach Chile führt. Am Nachmittag erkundet
Thorsten schon mal,
wo der
Einstieg zum Trail ist. Thorsten kommt zurückgeeilt und
berichtet, dass gerade
eben
einige Fahrradfahrer und Wanderer mit Pferden angekommen sind.
Die Pferde
würden heute wieder zum Lago Villa O'Higgins
zurücklaufen, wir können mit
und
unser Gepäck auf ihnen verstauen. Schnell packen wir alles
zusammen und gehen
zu dem Pferdeführer Ricardo.
Nachdem die anderen Reiseradler sagen, dass ich
den Weg mit meinem Fuß nicht schaffen werde,
da es sehr steil, eng und weit
ist, beschließen wir, alle zwei Fahrräder, unsere
Taschen
und mich auf den
Rücken der Pferde transportieren zu lassen. Ricardo verzurrt
unsere Sachen auf
den Pferden,
die Fahrräder müssen wir zerlegen - Pedale,
Fahrradständer und Räder
müssen abmontiert werden.
Zuletzt muss ich aufs Pferd, mir ist sehr mulmig
zumute, da ich doch noch nie geritten bin.
Ricardo gibt Thorsten die Zügel in
die Hand, er soll das Pferd führen.
Der Einstieg ist schon sehr steil und
schmal, mit meinen Händen kralle ich mich in den Sattel.
Ich fühle mich so
wackelig auf dem Pferd. Es geht steil bergauf, steil bergab,
Baumstämme und
Flussläufe müssen überquert und durchwatet
werden. Ich hoffe nur,
dass das
Pferd sich auskennt und nicht ins straucheln kommt. Ricardo reitet mit
den
sieben Pferden vorneweg.
Thorsten kommt ganz schön ins Schwitzen und bekommt
nasse und schlammige Füße bis zum Knie.
Nach 2 Stunden erreichen wir in der
Abenddämmerung Ricardos Refugium.
Das Absteigen von dem Pferd wird auch noch
mal sehr interessant, da ich den rechten Fuß doch noch nicht
richtig
belasten kann,
aber die Männer helfen mir vom Pferd. Ich habe ganz zittrige
Knie,
als ich
absteige und mein Hintern hat während der ganzen Reise noch
nicht so wehgetan
wie jetzt nach dem Höllenritt.
Dennoch bin ich froh, dass ich die Strecke nicht
laufen musste, da mein Fuß allein durch das
Herabhängen
schon wieder zum Pochen
anfängt. Als wir unser Gepäck abladen,
stellen wir mit Erschrecken fest, dass
ein Schnellspanner meines Vorderrads verloren gegangen ist.
Ohne den Spanner
kann man das Rad nicht einbauen und somit ist Radfahren
unmöglich.
Wir suchen
in der näheren Umgebung, finden aber nichts. Es wäre
auch sinnlos
zurückzugehen,
denn die Pferde sind teilweise kreuz und quer durchs Unterholz
gelaufen.
Wir können unsere Sachen auf Ricardos Jeep laden, er
fährt uns runter
zum Lago Villa O'Higgens,
wo er eine Estanzia mit Gästezimmer und
Zeltmöglichkeit hat.
Bevor wir im letzten Abendlicht unser Zelt aufbauen,
erledigen wir noch die chilenischen Grenzformalitäten an der
Zollstation.
Jetzt
müssen wir zwei Tage warten, bis das Boot uns nach Villa
O'Higgins - den
Start der Carretera Austral
bringt und hoffen, dass wir in der 500
Einwohnergemeinde einen Schnellspanner auftreiben können.

Fahrräder werden aufgeladen

unser
Gepäck ist verzurrt

mulmiges Gefühl

schmale Pfade

über Stock und Stein

ich stehe wieder auf meinen Beinen -
Danke liebes Pferd

kurze Teepause am Refugio, bevor es mit dem Jeep
zur Estanzia geht

Zeltblick

Weg hier! Dass ist unser Essen