7. Reisebericht: Paso Pircas Negras: Jachal – Copiapo
Nach dem wir die Strecke von Chos Malal bis San
Jose
de Jachal mit dem Bus überbrückt haben,
schwingen wir uns wieder auf die Räder.
Die Zeit drängt. Wir wollen über den Paso Pircras
Negras
nach Chile fahren und
dieser hat nur im Januar und Februar geöffnet.
Durch ein bizarres Tal
gelangen wir zur Routa 40. Es
wird heißer und heißer. 38 Grad im Schatten, der
weit und breit nicht in Sicht
ist. Unsere Getränke kochen schon fast. Unterwegs werden wir
von einem
argentinischen Pärchen mit gekühlter Gatorade
versorgt. Von einem chilenischen
Motorradfahrer bekommen wir einige Tipps für die anstehenden
Andenüberquerungen. Nach 100km erreichen wir mit
ausgetrockneten Kehlen den
kleinen Oasenort Guandacol. Palmen, Weinanbau, Papageien, im
Hintergrund die
roten zerfurchten Hochanden. Jetzt erst mal eine kühle Cola!
Heute leisten wir
uns ein Hotel.
Freudig sehen wir den Schwimmingpool und hüpfen gleich hinein.







Weiter
geht es nach Villa Union. Von dort fahren wir
leicht ansteigend zum letzten Versorgungsort San José de
Vinchina
vor dem Paso.
Im Ort suchen wir zuerst die Gendarmerie am Ortsende in der
Nähe der Plaza auf,
um unseren Ausreisestempel zu erhalten. Hier bekommen wir auch die
Information,
dass die chilenische Grenze nur von Donnerstag – Sonntag
geöffnet hat. Der
Beamte zeigt uns noch ein Modell, wo man die Strecke mit den Refugios
und
Höhenmetern einsehen kann.
Heute wollen wir noch ein Stück weiterfahren, jedoch
müssen wir erst noch unseren Proviant besorgen.
Es ist gerade Siesta Zeit und
nur ein kleiner Laden ist geöffnet, dessen Auswahl sehr
beschränkt ist.
Wir beschäftigen die gesamte Familie mit unserem Einkauf.







Die heutige Etappe
führt uns auf Asphalt leicht ansteigend
weiter nach oben. Noch ist der Wind auf unserer Seite.
Unterwegs treffen wir
auf eine argentinische Radfahrergruppe mit Begleitfahrzeug. Hier werden
wir mit
Wasser, Bananen und Bonbons versorgt. Am Abend schlagen wir unser Zelt
windgeschützt unterhalb einer Straßenbrücke
auf.
Im trockenen Lehmboden finden
wir Pumaspuren.












Heute geht es zur Laguna Brava (Brava = wild, stürmisch). Die Umgebung dieses Gewässers ist ein Naturreservat zum Schutz seiner vielen dort lebenden Vikunjas – Verwandten des Lamas. Wie es die Namensgebung der Lagune schon beschreibt, ist der Wind heute auch wieder wild und ungezähmt gegen uns, aber zum Glück keine Sandaufwirbelungen. Die Landschaft ist dort oben einmalig. Die Berge sind bunt und ganz anders, ganz speziell. Der höchste Punkt an diesem Tag ist 4487m. Wir sehen vor uns die Sechstausender Vulkane aufragen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl auf dieser Hochebene zu radeln. Man merkt, dass die Luft dünner ist und man langsamer in den Bewegungen wird, öfters stehen bleiben muss, um durchzuatmen. Aber wir haben uns gut akklimatisiert, haben keine Kopfschmerzen, Übelkeit etc. Der Appetit nimmt deutlich ab. Obwohl wir sehr viel Energie verbrauchen, haben wir keinen Hunger. Unterwegs hält eigentlich fast jedes Auto an. Von allen bekommen wir Wasser gesponsert. Insgesamt über den gesamten Pass waren es ca. 15 Liter. Sogar von der Polizei. Das meiste Wasser bekamen wir bis zur Laguna Brava, da bis dorthin die Touristen fahren. Danach wird es sehr ruhig, kaum noch Autos. Von deutschen Touristen erfahren wir, dass sie von uns schon in Vinchina gehört haben (zwei Radfahrer überqueren den Pass). Spät am Abend erreichen wir das zweite Refugio an der Laguna Brava (4320m). Die Refugios sind wirklich super. Ein aus Steinen gebautes rundes Haus, das uns vor Wind und Kälte schützt. Am Morgen haben wir im Zelt + 14 Grad, draußen sind es nur minus 3 Grad! Diesmal ist unser Mitbewohner eine Leiche, die draußen vor der Hütte begraben ist, nur durch Steine zugedeckt, wo man aber reinschauen kann und das Skelett sieht. Wir haben davon schon am ersten Refugio von Reisenden gehört, dass sie dort liegt - seit 50 Jahren aber tot ist. Wir beschließen, uns das Skelett erst am nächsten Morgen anzusehen.






































Wir nähern uns dem „limite International“ auf 4165m. Der Grenzübergang ist nicht der höchste Punkt des Passes. Oben angekommen schießen wir die obligatorischen Passbilder und stürzen uns in die Abfahrt. Auf der chilenischen Seite löst sich das schöne Asphaltband leider auf und die Straße wird zur Schotterpiste. Nach wenigen Kilometern bergab geht es auch schon wieder nach oben bis auf 4260m. Dann endlich können wir bis zur Grenzabfertigung auf 3300m hinunterrollen.








An der
Zollabfertigung erfahren wir, dass
wir die ersten Fahrradfahrer dieses Jahres sind und wahrscheinlich auch
die
letzten, da der Pass nur im Januar und Februar geöffnet hat.
Wir haben Glück,
in drei Tagen schließt der Pass! Es fahren kaum Leute
über die Bergstrecke. In
der Liste stehen 15-20 Grenzübertritte für dieses
Jahr, auch im letzten Jahr
ist die Spalte sehr schmal.
So sind wir natürlich eine schöne Abwechslung für die fünf Grenzbeamten. Zuerst müssen wir in das Häuschen, wo wir unseren Einreisestempel bekommen, dann in das Häuschen, indem wir den Zettel ausfüllen müssen, dass wir kein Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fleisch etc. mit uns führen, dann zum nächsten Beamten, der den Zettel abstempelt. Nach dem Formularwesen, das wir ja kennen, geht’s an die Fahrräder – an keinem Grenzübergang wurden wir so gründlich gefilzt wie bei diesem. Alles mussten wir herausnehmen und auch noch erklären. Und natürlich stehen alle fünf Beamten um uns. Wir sind für die ein schöner Zeitvertreib, aber sie sind sehr freundlich und wir bekommen auch noch drei Notfallnummern für den Fall der Fälle mit.


Die Landschaft
ändert sich, langsam kommen ein paar grüne Wiesen
hervor, aber auch viel graue
Steinwüste. Eine fiese Gegensteigung erwartet uns, wo wir
nochmals 800
Höhenmeter nach oben kraxeln müssen. Doch dann geht
es bis Copiapo nach unten.






Einen Ruhetag
verbringen wir in Copiapo. In der Nacht um 3.30 Uhr werden wir durch
Bettrütteln
aus unserem Schlaf gerissen. Danach ist der Strom bis 10 Uhr weg. Erst
dann sehen
wir im TV die schrecklichen Bilder vom 1000km entfernten Epizentrum
Concepcion.
Wir haben ca. 4-5 auf der Richterskala, in Concepcion 8,8!!! Vor ein
paar
Wochen sind wir in dieser Region noch Rad gefahren (Los Angeles, ist
auch
betroffen) und haben sehr liebe Menschen aus Concepcion kennen gelernt.
Das
schockt einen schon sehr. Mit gemischten Gefühlen setzten wir
die Fahrt zum
Pazifik fort.