Südamerika Fahrradreise - Argentinien - Chile
 Oktober 2009 - Mai 2010
 
 

8. Reisebericht – Paso San Francisco


Wir steuern am Pazifik den Ferienort Bahía Inglesa an. Da es jetzt schon Anfang März ist und die Ferienzeit herum ist, befinden sich kaum noch Urlauber in dem Ort. Wir mieten uns eine Cabana (Bungalow). Normalerweise wollten wir nur eine Nacht bleiben, aber da sich ein Magen–Darm–Virus bei mir breit gemacht hat, verlängerten wir unseren Aufenthalt um zwei Tage.















Die berühmte Panamericaner führt uns von Bahia Inglesa am Pazifik entlang zum Küstenort Chanaral.


















In Chanaral decken wir uns für 10 Tage mit Lebensmittel ein, denn ab jetzt führt die Straße nur noch nach oben. 
Schon ein sehr mulmiges Gefühl von 0 auf 4726m.
Nach ca. 75km ist das kleine Minenstädtchen Diego de Almagro erreicht, die letzte Versorgungsmöglichkeit für ca. 500km.
Wir folgen gemächlich ansteigend der Mineneisenbahnlinie, die sich nach oben schlängelt. An diesem Pass ist der Wind auf unserer Seite. An einer kleinen Fernfahrer-Hütte machen wir Pause und versorgen uns dort mit Wasser und Cola.
In der Nacht zelten wir ziemlich nahe der Schienen. Wir denken nicht, dass die Züge auch in der Nacht das Kupfer transportieren - aber falsch gedacht. So werden wir in der Nacht des Öfteren durch das laute Rattern der schweren Güterzüge geweckt, die die bizarre Berglandschaft taghell ausleuchten.
















Es folgt ein steiler Anstieg, der uns auf ein Hochplateau bringt auf ca. 3500m. Der Wind schiebt von hinten und das Fahren macht unglaublich Spaß. Ein paar Lkw’s überholen uns, ansonsten haben wir die Schotterstraße für uns. Hier oben stellt sich wieder dieses Gefühl von absoluter Freiheit und Frieden ein. Die Landschaft verzaubert uns. Es läuft alles super. 































Wir kommen zügiger voran als gedacht. Wir sehen schon die chilenische Grenzabfertigung vor uns. Tja, und dann passiert es.
Auf einmal fällt vom Thorsten sein Rad der Schaltumwerfer mit Kette zu Boden. Das Schaltauge ist gerissen. Fassungslos schauen wir auf die zwei Hälften. Was jetzt? Was tun auf 3700m? Einen Lkw anhalten, der nach Copiapo zurückfährt? Oder doch irgendwie den Pass bewältigen? Die Grenzstation ist nicht mehr weit weg. Wir fragen die Grenzbeamten, ob des Öfteren Lkw’s oder Busse nach Copiapo fahren, aber sie sagen es seien nicht viele. Wir entschließen uns, den Pass selbst zu bewältigen. Wir haben es so weit geschafft und dieser Pass war ein Ziel von uns, jetzt aufgeben, das wollen wir nicht, so soll unsere Tour nicht enden. Also geben uns die Beamten den Ausreisestempel und wir machen uns auf zum 110km entfernten Scheitelpunkt auf 4726m. An den flacheren Stücken binden wir unsere zwei Fahrräder mit Spanngurten zusammen und Thorsten zieht mich mit meinem Rad hinter sich her. Wenn es steiler wird, muss ich schieben.
 

















Im Dunkeln stehen wir auf und fahren bis in die Dämmerung hinein. So kommen wir trotz des Defekts gut voran. 
Viele Straßenbauarbeiter befinden sich auf der Strecke. 
Von einem erfahren wir, dass der Pass in drei Jahren komplett asphaltiert sein soll.









Mittlerweile befinden wir uns auf über 4.000 Metern. Um uns nur noch lauter 6000er Berge. Und dann sehen wir ihn – den Ojos de Salado, der höchste Vulkan der Erde und der zweithöchste Berg Amerikas (6.893m).

Ein großes Highlight auf dieser Strecke ist die Laguna Verde (4300m). In der Dämmerung erreichen wir die Laguna, der Wind hat mittlerweile Sturmstärke angenommen. Ohne Windschutz bauen wir oberhalb der Lagune unser Zelt auf und schlüpfen auch gleich hinein. Der Wind rüttelt und zerrt an unserem Zelt, aber es steht wie ein Fels. Erst gegen Mitternacht wird er schwächer. Am nächsten Morgen haben wir eine fantastische Sicht auf die Lagune.








Jetzt sind es nur noch wenige Kilometer bis ganz oben. Dort tobt wieder der Wind heftigst und kleine Sandstürme fegen über uns hinweg. Schnell schießen wir die Passfotos und dann nichts wie runter. Wir genießen die Abfahrt, saugen nochmals diese herrliche Landschaft ein. Das gelb leuchtende Ichu-Gras, die vielen Vikunjas und die bunten Berge. Schnell erreichen wir die argentinische Grenzabfertigung. Wir fahren noch bis zum zweiten Refugio, wo wir windgeschützt schlafen.
160km sind es jetzt noch bis Fimbala. Und wir schaffen es an einem Tag, obwohl wir eine ziemlich lange Passage argen Seitenwind haben und Thorsten all seine Kraft aufwendet, um mich zu ziehen, da ich ja mit dem defekten Rad nicht treten kann.







In Fimbala beschließen wir aufgrund des Defektes und weiteren Buchprojekten in Deutschland, unsere Reise zu beenden. Wir fahren mit dem Bus nach Buenos Aires und tauchen zwei Tage in das 12 Millionen-Monster ein. Eine schöne, quirlige Stadt. Vor allem fasziniert uns die 20-spurige Avenida 9 de Julio. Sie gilt als Prachtboulevard und es heißt, sie ist die breiteste Straße der Welt.

 

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge beenden wir nach 5 Monaten unsere Abenteuerreise. Wir haben so viele schöne Sachen erlebt, liebe Menschen kennengelernt, faszinierende Landschaften erlebt und das alles mit unserer eigenen Muskelkraft. Oft haben wir gegen den Wind gekämpft, sind die übelsten Schotterpisten gefahren, haben unser Rad gezogen und geschoben -  aber die Anstrengungen treten in den Hintergrund und man erinnert sich an die magischen Momente auf der Reise, 
wie hier an der Laguna Verde.





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