8. Reisebericht – Paso San Francisco
Wir steuern am
Pazifik den Ferienort Bahía Inglesa an. Da es jetzt schon
Anfang März ist und
die Ferienzeit herum ist, befinden sich kaum noch Urlauber in dem Ort.
Wir
mieten uns eine Cabana (Bungalow). Normalerweise wollten wir nur eine
Nacht bleiben,
aber da sich ein Magen–Darm–Virus bei mir breit
gemacht hat, verlängerten wir
unseren Aufenthalt um zwei Tage.














In Chanaral decken wir
uns für 10 Tage mit Lebensmittel ein, denn ab
jetzt führt die Straße nur noch nach oben.
Schon ein sehr mulmiges Gefühl von 0
auf 4726m.
Nach ca. 75km ist das kleine Minenstädtchen Diego de Almagro
erreicht,
die letzte Versorgungsmöglichkeit für ca. 500km.
Wir folgen gemächlich ansteigend der Mineneisenbahnlinie, die
sich nach
oben schlängelt. An diesem Pass ist der Wind auf unserer
Seite.
In der Nacht zelten wir ziemlich nahe der Schienen. Wir denken nicht,
dass die Züge auch in der Nacht das Kupfer transportieren -
aber falsch
gedacht. So werden wir in der Nacht des Öfteren durch das
laute Rattern der
schweren Güterzüge geweckt, die die bizarre
Berglandschaft taghell ausleuchten.





























Im Dunkeln stehen wir
auf und fahren bis in die Dämmerung hinein. So
kommen wir trotz des Defekts gut voran.
Viele Straßenbauarbeiter befinden sich
auf der Strecke.
Von einem erfahren wir, dass der Pass in drei Jahren komplett
asphaltiert sein soll.




Mittlerweile befinden wir uns auf über 4.000 Metern. Um uns nur noch lauter 6000er Berge. Und dann sehen wir ihn – den Ojos de Salado, der höchste Vulkan der Erde und der zweithöchste Berg Amerikas (6.893m).




Ein großes Highlight auf dieser Strecke ist die Laguna Verde (4300m). In der Dämmerung erreichen wir die Laguna, der Wind hat mittlerweile Sturmstärke angenommen. Ohne Windschutz bauen wir oberhalb der Lagune unser Zelt auf und schlüpfen auch gleich hinein. Der Wind rüttelt und zerrt an unserem Zelt, aber es steht wie ein Fels. Erst gegen Mitternacht wird er schwächer. Am nächsten Morgen haben wir eine fantastische Sicht auf die Lagune.





Jetzt sind es nur noch
wenige Kilometer bis ganz oben. Dort tobt wieder
der Wind heftigst und kleine Sandstürme fegen über
uns hinweg. Schnell schießen
wir die Passfotos und dann nichts wie runter. Wir genießen
die Abfahrt, saugen
nochmals diese herrliche Landschaft ein. Das gelb leuchtende Ichu-Gras,
die
vielen Vikunjas und die bunten Berge. Schnell erreichen wir die
argentinische
Grenzabfertigung. Wir fahren noch bis zum zweiten Refugio, wo wir
windgeschützt
schlafen.
160km sind es jetzt
noch bis Fimbala. Und wir schaffen es an einem Tag,
obwohl wir eine ziemlich lange Passage argen Seitenwind haben und
Thorsten all
seine Kraft aufwendet, um mich zu ziehen, da ich ja mit dem defekten
Rad nicht
treten kann.










In Fimbala
beschließen wir aufgrund des Defektes und weiteren
Buchprojekten in Deutschland, unsere Reise zu beenden. Wir fahren mit
dem Bus
nach Buenos Aires und tauchen zwei Tage in das 12 Millionen-Monster
ein. Eine
schöne, quirlige Stadt. Vor allem fasziniert uns die
20-spurige Avenida 9 de
Julio. Sie gilt als Prachtboulevard und es heißt, sie ist die
breiteste Straße
der Welt.
Mit einem weinenden
und einem lachenden Auge beenden wir nach 5 Monaten
unsere Abenteuerreise. Wir haben so viele schöne Sachen
erlebt, liebe Menschen kennengelernt,
faszinierende Landschaften erlebt und das alles mit unserer eigenen
Muskelkraft. Oft haben wir gegen den Wind gekämpft, sind die
übelsten
Schotterpisten gefahren, haben unser Rad gezogen und geschoben - aber die Anstrengungen
treten in den
Hintergrund und man erinnert sich an die magischen Momente auf der
Reise,
wie
hier an der Laguna Verde.
